Protestveranstaltung in Rheine / Vize-Inspekteur erläutert Bundeswehr-Reform

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Quelle: www.wn-online.de

Rheine - Weit über 1000 Bürger der Stadt Rheine haben gestern Abend in der Stadthalle für den Erhalt ihrer Kaserne demonstriert. Sie waren damit einer Einladung von Stadt und Kreis gefolgt. Im Zuge der Bundeswehr-Reform hatte Verteidigungsminister de Maizière im Oktober ein radikales Abschmelzen der Dienstposten in Rheine und damit faktisch das Aus für den Heeresflieger-Standort verkündet. Damit aber wollen sich weder die Stadt noch der Kreis noch die Region abfinden.

Die Stadthalle quillt an diesem Abend über. Niemand kann hier die Entscheidung aus Berlin verstehen. Bis vor einigen Jahren war Rheine noch eine der größten deutschen Garnisonsstädte, nun droht der endgültige Abzug der Truppe, mit all den negativen Begleiterscheinungen. „Die Heeresflieger gehören zu Rheine“, sagt darum Bürgermeisterin Dr. Angelika Kordfelder. „Der Standort muss erhalten werden“, betont Steinfurts Landrat Thomas Kubendorff. „Der geplante Abzug betrifft die ganze Region“, sagt Engelbert Rauen, der Vorsitzende des Regionalrates. Sie alle ernten an diesem Abend den dankbaren Applaus der Zuhörer.

Wieso die Truppe ausgerechnet aus Rheine abgezogen werden soll? „Ich habe darauf bis heute keine schlüssige Antwort erhalten“, sagt der Landrat. Der Regionalrat-Vorsitzende läuft an diesem Abend zur Höchstform auf. Einen Kahlschlag in Rheine darf es nicht geben, ruft er. „Wenn die Bundesregierung die Energie-Wende hinbekommen hat, dann kriegen sie das bei der Bundeswehr auch hin“, sagt er an die Adresse von Generalleutnant Norbert Finster gerichtet. Der Vize-Inspekteurs der Luftwaffe hat in Rheine keinen leichten Stand.

„Ich kann ihren Protest verstehen“, sagt der General, „aber das ist die Sicht der Dinge vor Ort, eine lokale Sicht.“ Für die Entscheidung aber sei die Gesamtsicht heranzuziehen. „Zur Neuausrichtung der Bundeswehr gibt es keine Alternative“, sagt der General. Aus Gründen der Funktionalität, auch aus Kostengründen. Dazu gehöre leider die Tatsache, dass 85 000 Dienstposten abgebaut – und eben auch Standorte geschlossen werden müssen. In Rheine so wie in anderen 30 deutschen Städten. Offenkundig war: Die Erklärungen des Generals stellten in der Stadthalle niemanden wirklich zufrieden.